Asynchron beschreibt einen zeitlich versetzten Prozess, bei dem Sender:in (z.B. die Lehrperson) und Empfänger:in (z.B. die Lernenden) nicht darauf angewiesen sind, auf die Antwort des jeweils anderen zu warten (vgl. Beck & Jünger, 2019, 13).
Asynchrone Lehre zeichnet sich dadurch aus, dass sie:
- digital ist.
- zeitlich versetzte Lerninhalte bietet: Lerninhalte werden zur Verfügung gestellt und können von den Lernenden zeitlich flexibel bearbeitet werden (vgl. Schaper et al., 2021, 158).
- über zeitlich versetzte Kommunikation verfügt: Kommunikation und Diskussion laufen über E-Mail und/oder eine Art Forum oder Wiki ab (vgl. Marra et al., 2004, 23).
Damit steht asynchrone Lehre im Kontrast zur synchronen Lehre. Die asynchrone Lehre bedient sich zur Lerninhaltsvermittlung an Elementen wie (Lern)videos, (vertonten) Präsentationsfolien, Skripten und eBooks. Das Prinzip der asynchronen Lehre findet sich wieder in (interaktiven) E-Learning Kursen, E-Trainings, MOOCs und als Bestandteil des Blended Learning. Um passive Wissensaufnahme zu vermeiden und die aktive Auseinandersetzung mit den Lerninhalten seitens der Lernenden im Sinne eines interaktiven E-Learning anzuregen, kann es sinnvoll sein, diese Elemente mit Fragen und Aufgaben zu ergänzen (vgl. ProLehre, 2020, 6).
Weiterhin gibt es eine Unterscheidung in Bezug auf das Tempo, in dem die Lerninhalte freigeschaltet werden. Es besteht zum einen die Möglichkeit, die Lerninhalte für das komplette Semester am Anfang zur Verfügung zu stellen, damit die Lernenden sich die Bearbeitung dieser im eigenen Tempo erschließen (self-paced). Diese Vorgehensweise kann das Selbstmanagement und die Selbstorganisation der Lernenden fördern und ihnen mehr Freiheit im Lernprozess geben. Zum anderen können die Lerninhalte in Module oder Kapitel unterteilt werden, die sukzessiv freigeschaltet werden (instructor-paced). Dies kann das Lernen der Lernenden “in einen gemeinschaftlichen Rhythmus strukturieren” und das soziale Lernen fördern (vgl. ebd, 6).
“Um den [Lernenden] eine Orientierung zu geben, welche Inhalte im Selbststudium erarbeitet werden können, sollten durch die [Lehrkräfte] vorrangig Lernziele zur Verfügung gestellt werden”, (vgl. Asynchrone Lehre // Universität Oldenburg. (n.d.)), siehe auch dafür Constructive Alignment.
Asynchrone Lehre bietet die Möglichkeit zur fairen Abwicklung und Bewertung von individuellen Leistungen der Lernenden, da technische Ausfälle kein Störfaktor sind (vgl. Ternes & Schnekenburger, 2021, 81). Dadurch wird auch die technische Infrastruktur geschont. Ferner können die Lebensumstände und das persönliche Lernverhalten der Lernenden berücksichtigt werden, was vor allem für Berufs-, Erwachsenen- und Weiterbildung wertvoll ist. Schlussendlich wird berichtet, “dass die Diskussionen und Interaktionen bei asynchronen Konferenzen […] tendenziell umfassender ausfallen und mit einem größeren Engagement der Lernenden erfolgen als solche, die in einem herkömmlichen Lernumfeld stattfinden” (Majumdar, 2003, 33). Von Vorteil ist, dass “die Lernenden […] hierbei ihre Ansichten unter deutlich entspannteren Bedingungen zum Ausdruck bringen und sich dafür die nötige Zeit nehmen, wodurch ein kongeniales Umfeld für kreative Reflexionsprozesse geschaffen wird” (Majumdar, 2003, 33). Laut der IAU Global Survey hat vor allem die Mischung aus synchroner und asynchroner Lehre ein großes Potential, was noch erschöpft werden muss (vgl. Marinoni et al., 2020, 26, siehe Blended Learning).
Asynchrone Lehre // Universität Oldenburg. (n.d.). Abgerufen von https://uol.de/fk6/idaktik/digitale-lehre/gestaltung-digitaler-lehre/asynchrone-lehre am 05.10.2022.
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Majumdar, S. (2003). Eine pädagogische Rahmenstruktur für das Online Lernen. Berufsbildung – Europäische Zeitschrift (Nr. 27). Cedefop – Europäisches Zentrum für die Förderung der Berufsbildung.
Marra, R.M., Moore, J.L., Klimczak, A.K. (2004). Content Analysis of Online Discussion Forums: A Comparative Analysis of Protocols. ETR&D, Vol. 52(No. 2). Abgerufen von https://link.springer.com/content/pdf/10.1007/BF02504837.pdf am 05.10.2022.
Marinoni, G., van’t Land, H., & Jensen, T. (2020). The Impact of COVID-19 on Higher Education Around The World: IAU Global Survey Report. International Association of Universities. Abgerufen von https://www.iau-aiu.net/IMG/pdf/iau_covid19_and_he_survey_report_final_may_2020.pdf am 05.10.2022.
ProLehre (2020). Alternativen zur Präsenzlehre: Asynchrone und Synchrone Online-Lehre (Stand: 11.04.2020). (2020). ProLehre | Medien Und Didaktik Technische Universität München. Abgerufen von https://www.prolehre.tum.de/fileadmin/w00btq/www/Aktuelles/prolehre-online-lehrstrategien_v2.30.pdf am 05.10.2022.
Schaper, N., Szczyrba, B., Kordts-Freudinger, R. & Scholkmann, A. (2021) Handbuch Hochschuldidaktik. UTB GmbH.
Ternes, D. & Schnekenburger, C. (2020). Synchron und asynchron: Berichte, Erfahrungen und Beispiele zur Lehre in 2020. Zentrum für Hochschuldidaktik und lebenslanges Lernen. #DUAL: Band 5. Abgerufen von https://www.mannheim.dhbw.de/fileadmin/user_upload/Profile/Prof._Andreas_Jonen/2021-Schriftenreihe-DUAL-Synchron-und-asynchron.pdf am 05.10.2022.
Asynchrone Onlineformate – Digital lehren. (n.d.). Abgerufen von https://wiki.llz.uni-halle.de/Portal:Onlinebetrieb/Asynchrone_Onlineformate am 05.10.2022. Synchrone oder asynchrone Lehre? – Die Mischung macht den Unterschied!: Anleitung für Dozierende. (n.d.). Hochschule Geisenheim University. Abgerufen von https://www.hs-geisenheim.de/fileadmin/redaktion/HOCHSCHULE/Organisation/Einheiten/Hochschuldidaktik/eLearning/Synchrone_oder_asynchrone_Lehre_092020.pdf am 05.10.2022.