Berufsbildende Schulen sind Teil des deutschen Schulsystems innerhalb der Berufsbildung. Es besteht eine grundsätzliche Unterteilung der berufsbildenden Schulen in das Duale System, die berufliche Vollzeitschule und das Übergangssystem (vgl. Vogel, 2022, 158; Niedersächsisches Kultusministerium, o.J., o.S.).
Die berufsbildenden Schulen werden, wie in der Definition aufgeführt, in drei Bereiche unterteilt, wobei weitere Unterteilungen innerhalb dieser Bereiche bestehen. Im Folgenden werden die verschiedenen Schulformen der berufsbildenden Schulen (Berufsschule als Teil des dualen Systems, Berufsfachschule, Fachoberschule, Berufliches Gymnasium, Berufsoberschule als Teile der beruflichen Vollzeitschule und das Übergangssystem) kurz anhand ihrer Charakteristika skizziert.

Berufsschule als ein Lernort (neben dem Betrieb als weiterer Lernort) im dualen System: Die Berufsschule wird von Auszubildenden besucht, die eine berufliche Erstausbildung absolvieren oder sich in einem Arbeitsverhältnis mit gleichzeitiger Berufsschulpflicht / Berufsschulberechtigung befinden (vgl. KMK, 1975, 2). Ziel ist es, berufsbezogene und berufsübergreifende Lerninhalte zu vermitteln und die Schüler:innen zum sachgerecht durchdachten, individuell und sozial verantwortlichen Handeln in beruflichen, gesellschaftlichen und privaten Situationen zu befähigen (vgl. KMK, o.J., o.S.). Nach der Rahmenvereinbarung sind an Berufsschulen wöchentlich mindestens 12 Unterrichtsstunden durchzuführen (vgl. KMK, o.J., o.S.). Der berufsbezogene Unterricht beträgt in der Regel acht Stunden wöchentlich und die berufsübergreifenden allgemeinbildenden Fächer, zu denen unter anderem Deutsch, Gemeinschaftskunde/ Sozialkunde/ Wirtschaftslehre, Religionslehre und Sport zählen, werden im Umfang von in der Regel vier Stunden wöchentlich unterrichtet (vgl. Vogel, 2022, 159). Fremdsprachenunterricht wird an Berufsschulen, entsprechend der Bedeutung für den jeweiligen Ausbildungsberuf, berücksichtigt (vgl. Vogel, 2022, 159) und unter bestimmten Voraussetzungen kann das KMK-Fremdsprachenzertifikat erworben werden (vgl. KMK, o.J.: o.S.). Je nach Absprache der Schulen, der ausbildenden Betriebe, der Schulaufsicht und der zuständigen Stellen der Wirtschaft erfolgt die zeitliche Organisation des Unterrichts (Besuch der Berufsschule an drei bis vier Tagen oder im Blockunterricht) (vgl. Vogel, 2022, 159f.; Niedersächsisches Kultusministerium, o.J., o.S.).
Berufliche Vollzeitschulen: Teil der beruflichen Vollzeitschulen sind die Berufsfachschule, die Fachoberschule, das Berufliche Gymnasium und die Berufsoberschule. Es sind weitere Schularten vorhanden, welche aber nur in einzelnen Bundesländern vertreten sind bzw. aufgrund der quantitativen Unterrepräsentanz hier nicht aufgeführt werden.
Berufsfachschule: Die Berufsfachschule ermöglicht die Einführung in einen oder mehrere Berufe. Berufsfachschulen zeichnen sich durch eine unterschiedliche Schwerpunksetzung aus. Demnach können Berufsfachschulen für kaufmännische Berufe, für Fremdsprachenberufe, für gewerblich-technische und handwerkliche und für die bundesrechtlich geregelten Berufe des Gesundheitswesens besucht werden. Wird durch die Berufsfachschule keine volle Berufsqualifikation vermittelt, so besteht die Möglichkeit bei Erfüllung bestimmter Voraussetzungen, dass der erfolgreiche Besuch der Berufsfachschule auch auf die Ausbildungszeit in anerkannten Ausbildungsberufen angerechnet wird (§ 7 Berufsbildungsgesetz). Zur Dokumentation der Gleichwertigkeit des Abschlusses an einer Berufsfachschule mit einer dualen Berufsausbildung kann eine Prüfung vor der zuständigen Stelle abgelegt werden. Die Dauer des Besuchs der Berufsfachschule variiert je nach beruflicher Fachrichtung und Zielsetzung des Bildungsganges zwischen einem bis drei Jahren. Sind bestimmte Voraussetzungen erfüllt, besteht die Möglichkeit des Erwerbs der Fachhochschulreife (vgl. Vogel, 2022, 160; Niedersächsisches Kultusministerium, o.J., o.S.).
Fachoberschule: Die Fachoberschule bietet die Jahrgangsstufen 11 und 12 an, die im Anschluss an einen mittleren Schulabschluss besucht werden können. Es werden allgemeine, fachtheoretische und fachpraktische Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt. Abgeschlossen wird die Fachoberschule mit der Fachhochschulreife. Einige Bundesländer bieten zusätzlich die Jahrgangsstufe 13 an, mit der eine fachgebundene oder allgemeine Hochschulreife erworben werden kann. Die Fachoberschule ist in die Fachrichtungen Wirtschaft und Verwaltung, Technik, Gesundheit und Soziales, Gestaltung, Ernährung und Hauswirtschaft sowie Agrarwirtschaft, Bio- und Umwelttechnologie untergliedert. Zu den Unterrichtsfächern zählen die Fächer Deutsch, Fremdsprache, Mathematik, Naturwissenschaften, Wirtschaft und Gesellschaft sowie fachrichtungsbezogener Unterricht. Der praktische Teil der Ausbildung wird innerhalb der Jahrgangsstufe 11 in einem einschlägig gelenkten Praktikum in Betrieben oder gleichwertigen Einrichtungen absolviert (vgl. Vogel, 2022, 160f.; Niedersächsisches Kultusministerium, o.J., o.S.).
Berufliches Gymnasium: An einem beruflichen Gymnasium ist der Erwerb der allgemeinen Hochschulreife möglich. In der gymnasialen Oberstufe können die berufsbezogenen Fachrichtungen und Schwerpunkte Wirtschaft, Technik, Berufliche Informatik, Ernährung, Agrarwirtschaft sowie Gesundheit und Soziales gewählt werden. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit des Erwerbs mehrerer Qualifikationen (doppelqualifizierende Bildungsgänge): eine Studienqualifikation (Hochschulreife/ Fachhochschulreife) und einen beruflichen Abschluss nach Landesrecht (vgl. Vogel, 2022, 160f.; Niedersächsisches Kultusministerium, o.J., o.S.).
Berufsoberschule: Der Besuch der zweijährigen Berufsoberschule ermöglicht Absolvent:innen einer Berufsausbildung im Dualen System den Erwerb der fachgebundenen und mit einer zweiten Fremdsprache der allgemeinen Hochschulreife. Hier wird die Berufsoberschule in Vollzeit besucht und eine zweite Fremdsprache gelernt. Es können Berufsoberschulen verschiedener Ausbildungsrichtungen je nach absolvierter beruflicher Erstausbildung oder ausgeübter Berufstätigkeit besucht werden: Technik, Wirtschaft und Verwaltung, Ernährung und Hauswirtschaft, Gesundheit und Soziales, Gestaltung sowie Agrarwirtschaft, Bio- und Umwelttechnologie. Diese Schulform dient der Förderung der Durchlässigkeit des Bildungssystems und somit der Gleichwertigkeit allgemeiner und beruflicher Bildung (vgl. Vogel, 2022, 161; Niedersächsisches Kultusministerium, o.J., o.S.).
Übergangssystem: Das Übergangssystem richtet sich an Schüler:innen der allgemeinbildenden Schule und führt zu keinem anerkannten Ausbildungsabschluss. Ziel des Übergangssystems stellt die Verbesserung der individuellen Kompetenzen hinsichtlich einer Berufsvorbereitung sowie die Möglichkeit des Nachholens eines allgemeinen Schulabschlusses dar (vgl. Autorengruppe Bildungsberichterstattung, 2008, 95). Teil des Übergangssystems sind das schulische Berufsvorbereitungsjahr, das Berufsgrundbildungsjahr sowie die teilqualifizierende Berufsfachschule. Zielgruppe des Übergangssystems sind unter 25-Jährige, denen bislang ein Einstieg in eine Ausbildung oder den Arbeitsmarkt nicht möglich war (vgl. Vogel, 2022, 161).
Vogel, T. (2022). Berufsbildende Schulen. In: Harring, M./ Rohlfs, C. & Gläser-Zikuda. M. (Hrsg.): Handbuch Schulpädagogik. 2. aktualisierte und erweiterte Auflage. Münster, New York: Waxmann Verlag.
Autorengruppe Bildungsberichterstattung (Hrsg.). (2008). Bildung in Deutschland 2008. Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zu Übergängen im Anschluss an den Sekundarbereich I. Bielefeld: W. Bertelsmann Verlag.
KMK (o.J.). Berufsschule – Lernort der Dualen Berufsausbildung. Abgerufen am 13.09.2022 von https://www.kmk.org/themen/berufliche-schulen/duale-berufsausbildung/berufsschulen.html.
KMK (1975): Bezeichnungen zur Gliederung des beruflichen Schulwesens. Abgerufen am 13.09.2022 von https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/1975/1975_12_08-Bezeichnungen-Gliederung-berufl-Schulwesen.pdf.
Niedersächsisches Kultusministerium (o.J.). Berufsbildende Schulen. Abgerufen am 14.12.2022 von https://www.mk.niedersachsen.de/startseite/schule/unsere_schulen/berufsbildende_schulen/.
Berufsfachschule KMK:
KMK (2022). Rahmenvereinbarung über die Berufsfachschulen. Abgerufen am 20.09.2022 von https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2013/2013_10_17-RV-Berufsfachschulen.pdf.
Fachoberschule KMK:
KMK (2010). Rahmenvereinbarung über die Fachoberschule. Abgerufen am 20.09.2022 von https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/2004/2004_12_16-RV-Fachoberschule.pdf.
Berufsoberschule KMK:
KMK (2020). Rahmenvereinbarung über die Berufsoberschule. Abgerufen am 20.09.2022 von https://www.kmk.org/fileadmin/veroeffentlichungen_beschluesse/1976/1976_11_25-RV-Berufsoberschule.pdf.