Blended Learning

Kurzdefinition

Unter Blended Learning wird der blend (dt. Mischung) aus digitaler Lehre und Präsenzlehre verstanden. Dabei werden die Vorteile von synchroner Präsenzlehre mit den Vorzügen asynchroner digitaler Lernaktivitäten didaktisch sinnvoll kombiniert (vgl. Garrison & Kanuka, 2004, 96; Petersheim, 2018, 2.1).

Beschreibung

Blended Learning zeichnet sich durch die effektive Integration von Digital- und Präsenzelementen aus, die Kombination welcher über die gegenseitige Bereicherung hinaus das Ziel verfolgt, die spezifischen Bedürfnisse der Lehrenden und Schüler:innen zu decken. Blended Learning wird in Abgrenzung zu rein asynchronen und hybriden Lehrformaten dadurch definiert, dass “das Materialangebot sich [nicht] lediglich auf Downloads beschränkt und die Onlinekooperation der [Lernenden] systematisch in die Lehre eingebettet ist” (Entner et al., 2021, 26). Jedoch kann Blended Learning als eine besondere Form der Hybriden Lehre(Verlinkung) verstanden werden.

Mit Aussagen zum Verhältnis zwischen digitaler Lehre und Präsenzlehre bleibt die Literatur über das Blended Learning bewusst vage, da kein Blended Learning Design dem anderen gleicht.

Es werden jedoch grundsätzlich drei Kategorien unterschieden:

  1. “Klassiker” (vgl. Wipper & Schulz, 2021, 73f.). Für das Grundverständnis relevante Unterrichtsinhalte werden am Anfang in Präsenz vermittelt. Individuelle Aufgaben zur Vertiefung oder Anwendung werden im Anschluss digital bearbeitet. Ein Reflexionstreffen in Präsenz kann den Schluss bilden.
  2. “Inverted/Flipped Classroom” (dt. “getauschtes Klassenzimmer”, vgl. ebd., 82f.). Elemente von Vorlesung und Nachbearbeitung werden getauscht. Unterrichtsinhalte werden durch Lernende zuerst individuell digital bearbeitet, z.B. in Form von Videos, Podcasts und/oder Texten. Anschließend werden in Präsenz Aufgaben mit Begleitung gelöst, Diskussionen geführt oder ausgewählte Themen vertieft.
  3. “Flex” (vgl. Beatty, 2020, 15). Schüler:innen können in jeder Sitzung entscheiden, ob sie an dem Unterricht in Präsenz oder digital teilnehmen, synchron oder asynchron. Dafür müssen alle Unterrichtsinhalte online verfügbar und digitale Kommunikation mit der Lehrkraft möglich sein.

In der Schulbildung sind zusätzlich diverse Rotations-Modelle weit verbreitet, da sie zu dem breitgefächerten Stundenplan und dem Rhythmus der Schüler:innen passen. Schüler:innen rotieren dabei zwischen unterschiedlichen Lernorten, wie z.B Klassenzimmern (Station-Rotation) oder naturwissenschaftlichen/Computer-Labs (Lab-Rotation) (vgl. Staker & Horn, 2012, 8f.). Mindestens eine dieser Stationen sollte Online-Lehre beinhalten.

In höheren Schulstufen, Hochschulen sowie in der Berufsbildung wird ebenfalls das Modell der onlinebegleiteten Praxisunterstützung angeboten (vgl. Wipper & Schulz, 2021, 100f.). Hierbei werden zunächst in einer Startphase in Präsenz die Rahmenbedingungen für das praktische Projekt und ein Ablaufplan mit Meilensteinen zur Verfügung gestellt, in dem einzelne Arbeitspakete und zeitliche Fristen festgelegt werden. Darauf folgt die Durchführungsphase, die durch digitale Feedback-Gespräche unterstützt wird. Der Arbeitsprozess kann in einem Wiki, Blog oder Portfolio festgehalten werden, was zur Transparenz der Prozesshaftigkeit beiträgt und eine präzisere Beurteilung des Arbeitsergebnisses ermöglicht.

Abb.1. Blended Learning und seine Darstellung als ein Kontinuum von Präsenz- zur Online Lehre (in Anlehnung an Engel et al., 2020, 2.1).

Die multiplen Kommunikationsformen des Blended Learning tragen dazu bei, dass Diskussionen und kritische Debatten einfacher ablaufen können. Die digitalen Phasen regen zum Reflektieren und präzisen Ausdruck beim Schreiben an, wohingegen in Präsenz dynamische und spontane Kommunikation ermöglicht wird. Die Präsenzphasen dienen weiterhin auch dem Aufbau von Orientierung, Motivation und Gruppendynamik (vgl. Entner et al., 2021, 27). Mit steigender Menge an Selbststudium und Bearbeitung von asynchronen Inhalten, besonders bei dem Flipped Classroom-Modell, wird ein größerer Nutzen aus den Präsenzphasen gezogen, da Lehrende auf vertiefende Themen eingehen können und Lernenden mehr Zeit zum Fragenstellen und für die aktive Auseinandersetzung mit Lerninhalten bleibt (vgl. Scheiter & Riecke-Baulecke, 2018, 52f.).

Weiterhin ermöglicht Blended Learning, “im Falle von Verhinderungen bei der terminierten Leistungserbringung individuelle Ersatzlösungen zu finden, womit die Studierbarkeit auch unter erschwerten persönlichen Rahmenbedingungen gewährleistet werden soll” (Scheiter & Riecke-Baulecke, 2018, 52). Diese Flexibilität ist besonders für Berufs-, Erwachsenen- und Weiterbildung wertvoll.

Verwendete Quellen

Beatty, B. J. (2019). Hybrid-Flexible Course Design: Implementing student-directed hybrid classes. EdTech Books. Abgerufen von https://jcu.edu/sites/default/files/2020-07/E-Book%20Hybrid%20Flexible%20Course%20Design-by-Beatty.pdf am 22.11.2022.

Entner, C., Fleischmann, A. & Strasser, A. (2021). Hochschullehre im digitalen Wandel:

Überlegungen zur didaktischen Gestaltung von Präsenz- und Onlinelehre. In: Berendt, B., Szczyrba, B., Voss, H., & Wildt, J. (2021). Neues Handbuch Hochschullehre: Lehren und Lernen effizient gestalten. Ausgabe Nr. 100. Raabe, J Stuttgart.

Garrison, D. & Kanuka, H. (2004). Blended learning: Uncovering its transformative potential in higher education. The Internet and Higher Education, 7(2), 95–105. doi.org/10.1016/j.iheduc.2004.02.001

Petersheim, A. (2018). Vielfalt der Konzepte und Modelle. In: Engel, A., Brunn, C., Günther, C., Petersheim, A. & Schenk, S.: Blended Learning an berufsbildenden Schulen. Abschnitt 2.1. aus: Blended Learning an berufsbildenden Schulen. Abgerufen von https://blberufsschulen.eduloop.de/loop/Vielfalt_der_Konzepte_und_Modelle am 03.12

Scheiter, K. & Riecke-Baulecke, T. (Hrsg.) (2018). Schulmanagement Handbuch: Schule 4.0 (Bd. 165).

Staker, H. & Horn, Michael B. (2012). Classifying K-12 Blended Learning. URL: https://eric.ed.gov/?id=ED535180

Wipper, A. & Schulz, A. (2021). Digitale Lehre an der Hochschule: Vom digitalen Tool bis zum Blended-Learning-Konzept (Kompetent lehren): Vom Einsatz digitaler Tools bis zum Blended-Learning-Konzept. UTB.

Weiterführende Literatur

Petersen, P. (2022). How to Blended Learning​ für Ausbilder/-innen. Cornelsen eCademy. Abgerufen von https://www.ecademy-learning.com/ausbildung-digital/how-to-blended-learning/ am 03.12.22.

TeachThought Staff (2022). 12 Of The Most Common Types Of Blended Learning. Abgerufen von https://www.teachthought.com/learning/12-types-of-blended-learning/ am 03.12.22.