Constructive Alignment ist ein didaktisches Konzept, das zu der Kategorie der ergebnisbasierten Lehr- und Lernmethoden gehört. Es zeichnet sich durch eine präzise Formulierung von Lernzielen und den Fokus auf eine aktive Rolle des Lernenden aus: “it is what he does that he learns, not what the teacher does” (Ralph W. Tyler, 1949, zitiert nach Biggs & Tang, 2011, 6 (Vorwort)).
Constructive Alignment (CA) zielt darauf ab, die Lücke zwischen theoretischem Lehren und praktischem Anwenden der gelernten Fähigkeiten zu füllen (vgl. Biggs & Tang, 2011, 97). Das Konzept stützt sich auf den konstruktivistischen Denkansatz. Das bedeutet, dass dem Wissen durch das Verständnis der Lernenden Bedeutung verliehen wird, nicht durch die Erklärung der Lehrperson (vgl. Biggs, 1996, 348). Dadurch kann die Selbstbestimmung der Lernenden gefördert werden, was im späteren beruflichen Kontext von Vorteil ist, da berufliche Interessen sich auf Vorstellungen über die Wirksamkeit eigenen Handelns (self-efficacy) und auf Ergebniserwartungen belaufen (nach Modell von Brown und Lent, Gerstenmaier & Mandl, 1999, 9). Wie andere ergebnisbasierte Lehr- und Lernmethoden orientiert CA sich an der Leitfrage “What do I intend my students to be able to do after my teaching that they couldn’t do before […]?” (Biggs et al., 2019, 58).
Die beabsichtigten Ergebnisse dieser Lernform, die sogenannten Intended Learning Outcomes (ILOs), werden eindeutig definiert und im Unterricht vorab präsentiert. Da das Lernziel eine Handlung ist, enthält jedes ILO einen Operator, wie beispielsweise “erklären” oder “analysieren”, der auf die Lernaktivität hinweist. Die Bewertung wird an die Lernaktivität angepasst, indem alle drei Elemente Bezug auf den Operator nehmen, wie in diesem Schema veranschaulicht wird:

Weiterhin sind sowohl ILO als auch die Bewertung so formuliert, dass auch anderweitige, unbeabsichtigte Ergebnisse des Lernens erwünscht sind und kein geschlossener Kreis entsteht (vgl. Biggs & Tang, 2011, 99), wodurch wiederum Lernerfolg gefördert wird.
Das Problem, dass Lernende sich in ihrem Lernprozess mit großer Wahrscheinlichkeit an dem Bewertungsmaß orientieren – sprich, nur das lernen, was in der Prüfungsleistung abgefragt wird –, soll also zur Lösung gemacht werden (vgl. Biggs et al., 2019, 58).
Biggs, J. & Tang, C. (2011). Teaching for Quality Learning at University. Open University Press.
Biggs, J. (1996). Enhancing teaching through constructive alignment. Higher Education, 32(3), 347–364. https://doi.org/10.1007/bf00138871
Biggs, J. (Ed.), Harris, C.W. & Rudolph, J. (2019). Teaching for Quality Learning at Changing Universities. A tour de force of modern education history – an interview with Professor John Biggs. JALT Journal, 2(1). https://doi.org/10.37074/jalt.2019.2.1.6
Gerstenmaier, J. & Mandl, H. (1999). Konstruktivistische Ansätze in der Erwachsenenbildung und Weiterbildung. 10.1007/978-3-531-92016-0_10.
Constructive Alignment. (n.d.). Abgerufen am 26.09.2022 von https://www.teaching-learning.utas.edu.au/unit-design/constructive-alignment.
Fleischmann, A. (2020). Der Ursprung von Constructive Alignment. John Biggs‘ und Catherine Tangs Teaching for Quality Learning at University und seine Wirkung. In: Tremp, P., Eugster, B. (eds) Klassiker der Hochschuldidaktik?. Doing Higher Education. Springer VS, Wiesbaden. https://doi.org/10.1007/978-3-658-28124-3_15