Ein E-Portfolio ist “eine digitale, flexible und sich ständige wandelnde, ausgewählte Sammlung von Artefakten, die den Lernprozess des Lernenden dokumentiert und seine vertiefte Auseinandersetzung (Reflexion) mit den Lerngegenständen verdeutlicht” (Weber et al., 2019, 2).
Ein Portfolio verdeutlicht durch die Nutzung von begründeten Dokumenten die Leistungsfähigkeit und die direkten Arbeitsergebnisse der Lernenden (vgl. Landesinstitut für Schule und Medien Berlin-Brandenburg, 2008, 4).
Das E-Portfolio setzt dieses Konzept um in Form “eine[r] digitale[n] Sammlung von „mit Geschick gemachten Arbeiten“ (= lat. Artefakte) einer Person, die dadurch das Produkt (Lernergebnisse) und den Prozess (Lernpfad/Wachstum) ihrer Kompetenzentwicklung in einer bestimmten Zeitspanne und für bestimmte Zwecke [digital] dokumentieren und veranschaulichen möchte“ (Hornung-Prähauser et al., 2007a, 14). Zu E-Portfolio-Plattformen gehören u.a. Mahara (Verlinkung), OneNote (Rabizaite, 2016), Numbers (Apple, o.J.) und Padlet (Garber, 2014). Das E-Portfolio soll für Außenstehende – Lehrkräfte und Peers – nachvollziehbar sein, dient aber auch dazu, dem/der Ersteller:in des Portfolios einen Überblick über die eigenen Leistungen und Entwicklungen zu verschaffen. Ein möglicher Vorteil dessen findet sich in dem Potential, dem/der Ersteller:in eine Orientierung für künftige Bemühungen zu bieten, um vorliegende Interessenschwerpunkte zu vertiefen oder aus Fehlern zu lernen (vgl. Winter, 2005, 334).
Portfolios können unterschiedlich gestaltet sein; eine bestimmte E-Portfolio-Arbeitsstruktur ist nicht vorhanden. Sie beinhalten jedoch allesamt Lern- und Arbeitsergebnisse, Beschreibungen des Lern- und Arbeitsprozesses, sowie Reflexionen über Motivationen und Erfahrungen. Nach Bauer & Baumgartner (2012, 60ff.) können z.B. Präsentationsportfolios, Reflexionsportfolios und Entwicklungsportfolios unterschieden werden. Je nach Portfolioform werden unterschiedliche Elemente in den Fokus gesetzt.
Selbstläufer sind Portfolios jedoch nicht: E-Portfolios bedürfen ein hohes Maß an Selbststeuerung im Lernen (vgl. Winter, 2005, 335; Fink, 2011, 114). Sie helfen somit den Lernenden, mehr Souveränität über den eigenen Lernprozess zu gewinnen (vgl. Wintersteiner, 2002, 4). Da ein E-Portfolio aus unterschiedlichen multimedialen Artefakten besteht, können unterschiedliche Sinneskanäle angesprochen und eine bessere Anschaulichkeit gewährleistet werden. Weiterhin spricht für seinen Einsatz die Förderung von Kommunikation, Kollaboration und Vernetzung (vgl. Reiter, 2016, 3).
In der didaktischen Herangehensweise sollte neben der inhaltlichen Einbettung auch auf den Lernprozess als eigene Vertiefung eingegangen werden. Die Lehrperson hat daher weiter einen hohen Einfluss durch die Aufgabenstellung und Beratung (vgl. Fink, 2011, 114), welche in Reaktion auf die Dokumentierung des individuellen Lernfortschritts ebenfalls zunehmend individuell gestaltet werden können (vgl. Wintersteiner, 2002, 4). E-Portfolios haben “das Potential, die lebenslangen Lern- und Entwicklungsprozesse eines Menschen zu begleiten” (Bauer & Baumgartner, 2012, 77).
Apple. (o. J.). Numbers. Apple (Deutschland). https://www.apple.com/de/numbers/
Bauer, R. & Baumgartner, P. (2012). Schaufenster des Lernens. Eine Sammlung von Mustern zur Arbeit mit E-Portfolios. Münster: Waxmann.
Fink, M. C. (2011). E-Portfolios in der Schule – Selbststeuerung im Spannungsfeld von extrinsischer und intrinsischer Motivation. In: Meyer, T., Mayrberger, K., Münte-Goussar, S. & Schwalbe, C. (Hrsg.), Kontrolle und Selbstkontrolle. Zur Ambivalenz von E-Portfolios in Bildungsprozessen (111-114). Wiesbaden: Westdt. Verlag.
Garber, J. & DST Tech Team. Student Portfolios using Padlet. (2014.). DST Tech Weebly. Abgerufen von http://dsttech.weebly.com/uploads/1/9/0/1/19011885/padlet_direction_sheet_student_portfolios.pdf am 26.12.2022.
Landesinstitut für Schule und Medien Berlin Brandenburg (LISUM) (2008). Was ist ein Portfolio? Informationen für die Grundschule. Abgerufen am 19.07.2022 von https://bildungsserver.berlin-brandenburg.de/fileadmin/bbb/unterricht/unterrichtsentwicklung/Portfolio/Portfolio.pdf
Rabizaite, E. & The Microsoft 365 Marketing Team. (2022). OneNote Class Notebook as an e-Portfolio. Microsoft 365 Blog. Abgerufen von https://www.microsoft.com/en-us/microsoft-365/blog/2016/04/20/onenote-class-notebook-as-an-e-portfolio/ am 26.12.2022.
Reiter, M. (2016). Das eigene Lernen „managen“ – der Einsatz der E-Portfolio-Plattform Mahara an der Pädagogischen Hochschule Heidelberg. In E-Teaching.org. Abgerufen von https://www.e-teaching.org/etresources/pdf/erfahrungsbericht_2016_reiter-melanie_das-eigene-lernen-managen.pdf am 26.12.2022.
Weber, N., Skorsetz, N. & Kucharz, D. (2019). Medienbildung in der 1. Phase der Lehrkräftebildung durch den Einsatz von ePortfolios im Studiengang Sachunterricht. In: Online-Magazin Ludwigsburger Beiträge zur Medienpädagogik, Ausgabe 20/2019. Abgerufen am 19.07.2022 von https://www.medienpaed-ludwigsburg.de/article/view/369/364
Winter, F. (2005). Portfolioarbeit in der Lehrerbildung. In: Beiträge zur Lehrerbildung 23, 3, S. 334-338.
Boos, M., Krämer, A. & Krick, M. (Hrsg.) (2016). Portfolioarbeit phasenübergreifend gestalten. Konzepte, Ideen und Anregungen aus der LehrerInnenbildung. Band 8. Waxmann.
Bräuer, G. (2014). Das Portfolio als Reflexionsmedium für Lehrende und Studierende. Opladen.
Häcker, T. (2012). Portfolioarbeit im Kontext einer Reflektierenden Lehrer/innenbildung. In: Egger, R. & Merkt, M. (Hrsg.). Lernwelt Universität (263-289). Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften.
Völschow, Y. & Warrelmann, J.-N. (2020). Gelingensbedingungen für eine reflexivitätsfördernde ePortfolioarbeit. In: Kaspar, K. & Becker-Mrotzek, M. (Hrsg.), Bildung, Schule, Digitalisierung (265-270). Münster: Waxmann.